Moderne Medizin – persönliche Zuwendung
Im höheren Lebensalter kommen oft viele Faktoren zusammen, die das seelische Gleichgewicht aus dem Takt bringen können: körperliche Veränderungen, soziale Verluste, Pflegebedürftigkeit oder der Übergang in neue Lebensabschnitte. Außerdem nehmen altersbedingt die neurodegenerativen Veränderungen im Gehirn zu. Die Diagnostik und Behandlung psychischer Krankheiten bei älteren Menschen gehören zu den Spezialgebieten unserer Praxis.
In meiner Arbeit ist es mir wichtig, die Probleme der Menschen ernst zu nehmen und den Krankheitsursachen auf den Grund zu gehen. Ich nehme mir die Zeit, die es braucht, um die persönliche Lebensgeschichte kennenzulernen. Es geht nicht nur um Diagnosen, sondern auch um Zuwendung, Vertrauen und Würde.
Mehr als in den meisten anderen Fachrichtungen ist in der geriatrischen Psychiatrie ein enges Zusammenspiel aller Beteiligten in der Versorgung gefragt. Mit den hausärztlichen Praxen in der Region Füssen stehe ich in engem Austausch. In den regionalen Krankenhäusern, der St. Vinzenz Klinik Pfronten und der Klinik Füssen, übernehme ich den Konsil- und Liaisondienst für meine Patient*innen. Damit kann ich auch für einen guten Übergang in die ambulante Weiterbehandlung sorgen. Hausbesuche und regelmäßige Heimvisiten in Pflegeeinrichtungen sind für mich selbstverständlich.
Angehörige der von mir betreuten Menschen beziehe ich von Anfang an mit ein und kläre, wo notwendig, über Vorsorgevollmachten, Betreuungsverfügung und gesetzliche Betreuung auf. Mit dem Pflegestützpunkt Ostallgäu in Marktoberdorf sowie der Fachstelle für pflegende Angehörige vom Bayrischen Roten Kreuz arbeite ich vertrauensvoll zusammen. Ehrenamtlich engagiere ich mich im Verein „Lebensfreude“, der sich dafür einsetzt, dass Senioren so lange wie möglich ein eigenständiges, selbstbestimmtes und erfülltes Leben führen können. Ich biete dort Angehörigengruppen an und bin für Probleme im täglichen Leben ansprechbar.
Die Diagnosen erfolgen bei uns in der Praxis nicht standardisiert, sondern ich orientiere mich an der individuellen Lebenssituation. Oft braucht es mehrere Gespräche, Gedächtnistests (neuropsychologische Testung) sowie die Einschätzung von Angehörigen und Betreuungspersonen. Auch die individuelle Therapieplanung richtet sich nach den persönlichen Bedürfnissen und nach dem jeweiligen Krankheitsbild. Wichtige Bestandteile sind Psychoedukation und Gesprächstherapien. Ergo- und Physiotherapie sowie kognitives Training können zusätzlich die Alltagskompetenzen steigern. Eine medikamentöse Behandlung erfolgt, wo es notwendig und sinnvoll ist. Zu den häufigsten Krankheitsbildern der Gerontopsychiatrie gehören demenzielle Erkrankungen und Depressionen im Alter.
Genauer gesagt ist Demenz ein Sammelbegriff für verschiedene Formen, die alle mit einem fortschreitenden Abbau von Gedächtnis, Denken und Alltagsfähigkeiten verbunden sind. 1,8 Millionen Menschen leben in Deutschland mit Demenz, davon sind 1,7 Mio. älter als 65 Jahre. Dank moderner Methoden wird die Demenzdiagnostik immer präziser.
Die häufigste Form ist die Alzheimer-Demenz oder Alzheimer-Krankheit, die rund 60 bis 70 Prozent aller Fälle betrifft. Eiweißablagerungen im Gehirn (sogenannte Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen) führen zum Absterben der Nervenzellen.
Es gibt Behandlungsansätze, die helfen können, den Verlauf hinauszuzögern, und die Forschung ist hier sehr aktiv. Dazu gehören beispielsweise die modernen Antikörpertherapien, die bislang in universitären Einrichtungen möglich sind. Ich stehe mit den behandelnden Kliniken in München in engem Kontakt und kann einen Großteil der notwendigen Voruntersuchungen bereits vor Ort in Füssen durchführen.
Mit rund 15 bis 30 Prozent aller Fälle tritt die vaskuläre Demenz am zweithäufigsten auf. Sie entsteht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, meist infolge von Schlaganfällen oder vielen kleinen Gefäßschäden. Bei der Behandlung steht die Vorbeugung neuer Schlaganfälle an erster Stelle. Ziel ist auch hier, den Verlauf zu bremsen und die Lebensqualität im Alter zu verbessern. Wichtig sind zum Beispiel ein gut eingestellter Blutdruck oder eine gute Blutzuckerkontrolle bei Diabetes mellitus. Mit Rauchstopp, Bewegung und gesunder Ernährung können die Betroffenen auch selbst einiges zur Demenzprävention beitragen.
Mischformen von Alzheimer und vaskulärer Demenz sind keine Seltenheit. Darüber hinaus gibt es noch weitere, seltenere Formen wie Lewy-Body-Demenz, Parkinson-Demenz und Frontotemporale Demenz. Sogenannte sekundäre Demenzen, die auf andere Grunderkrankungen (z. B. Stoffwechselstörungen oder Alkoholmissbrauch) zurückgehen, sind in der Regel besser behandelbar, aber treten seltener im Alter auf.
Anders als bei jüngeren Menschen zeichnen sich Altersdepressionen weniger durch Traurigkeit, sondern eher durch Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Gedächtnisprobleme oder körperliche Beschwerden aus. Deshalb bleibt die ernstzunehmende Erkrankung häufig unerkannt oder wird als Alterserscheinung abgetan.
Typische Auslöser sind Verluste (z. B. Partner, Freunde, Selbstständigkeit), Einsamkeit, chronische Schmerzen oder andere Erkrankungen wie Herzleiden oder Diabetes. Unbehandelt kann eine Depression die Lebensqualität der Menschen erheblich beeinträchtigen und das Risiko für Demenz oder körperliche Komplikationen erhöhen.
Mit rechtzeitiger Diagnose und multimodaler Therapie – durch Gespräche, Medikamente oder soziale Unterstützung – sind die Chancen auf Besserung sehr gut. Wie bei jungen Menschen stellen Psychotherapien mit Gesprächstherapien und kognitiven Verhaltenstherapien ein wichtiges Element dar. Bei der medikamentösen Behandlung ist besonders ein behutsames Vorgehen wegen möglicher Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten wichtig. Denn viele Ältere nehmen oft dauerhaft mehrere Arzneimittel ein (Polypharmazie).
Wenn Sie selbst Hilfe suchen oder sich um einen nahestehenden Menschen sorgen, melden Sie sich gerne bei uns und vereinbaren Sie einen Termin. Ich möchte gemeinsam mit Ihnen einen Weg finden, um Orientierung zu geben, die Lebensqualität zu steigern und Entlastung zu schaffen.
Die Würde und Individualität jedes Menschen zu bewahren, ist mein oberstes Ziel. Ich möchte nicht nur Symptome behandeln, sondern Lebensqualität zurückzugeben.
Der Sozialpsychiatrische Dienst Füssen bietet Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihren Angehörigen in psychisch belastenden Situationen (akuten Krisen, psychischen Erkrankungen, Bewältigung des Alltags, Begleitung bei Klinikaufenthalten, psychischen Erkrankungen im Umfeld) kostenlos Hilfe.
Die Krisendienste Bayern sind ein psychosoziales Beratungs- und Hilfeangebot für alle Menschen in Bayern. Unter der kostenlosen Rufnummer 0800 655 30 00 erhalten Menschen in seelischen Krisen, Mitbetroffene und Angehörige qualifizierte Beratung und Unterstützung.
Lebensfreude Marktoberdorf unterstützt Menschen, die im Alter vereinsamen oder an Demenz leiden. Der Verein bietet Betroffenen und ihren Angehörigen Hilfe zur Selbsthilfe und kümmert sich auch um Fragen der Betreuung.
Blaue Blume Schwaben bietet wohnortnahe, niedrigschwellige und interdisziplinäre Versorgung mit unterschiedlichen Hilfebausteinen unter einem Dach. Zugehörig ist auch eine Aktions- und Begegnungsstätte für psychisch kranke bzw. von psychischer Erkrankung bedrohte ältere Menschen.
Die Wertachtal-Werkstätten gehören zur Lebenshilfe Ostallgäu-Kaufbeuren e.V. und bieten an vier Standorten im Ostallgäu wertvolle Arbeitsplätze für Menschen mit Beeinträchtigung oder mit psychischer Erkrankung sowie für Menschen mit erworbener Hirnschädigung. Das Angebot erreichen Sie online hier.
Eine gute Therapie ist für mich ein Zusammenspiel zwischen wissenschaftlicher Medizin und menschlicher Nähe. Es gibt heute gute Möglichkeiten, älteren Menschen neue Perspektiven zu eröffnen.
Dr. med. univ. Lukas Leitner
Wir beraten Sie gern zu den Möglichkeiten einer Behandlung in unserer Praxis. Wir freuen uns, wenn Sie mit uns Kontakt aufnehmen.